Getreide-Terminmärkte mit schwankenden Stimmungen

Schwächephase von Weizen im November scheint dennoch überwunden

Wien, 6. Dezember 2019 (aiz.info). - Die internationalen Weizenmärkte waren jüngst hin- und hergerissen zwischen der Angebotsverknappung durch Ertragsausfälle auf der Südhalbkugel, der immer noch komfortablen weltweiten Versorgungsbilanz und hartem Exportwettbewerb insbesondere zwischen der EU und Russland, aber auch mit Argentinien. Dem Weizenfuture an der Euronext blieb zu Handelsschluss am Donnerstag für den mittlerweile am meisten gehandelten Liefertermin März 2020 ein Verlust von 2,75 Euro auf 183 Euro/t gegenüber dem Schlusskurs von vergangenem Freitag - dennoch scheint die Schwächephase im November mit einem Verfall der Kurse unter 180 Euro/t überwunden zu sein. Der in wenigen Tagen auslaufende Frontmonat Dezember gab nur einen Euro ab und schloss den Donnerstag dank Short-Covering etlicher am falschen Fuß erwischter Spekulanten mit übermäßig vielen offenen Verkaufspositionen mit 184,50 Euro/t sogar höher als der Folgekontrakt. Am Freitagmittag notierte der Euronext-Weizen unverändert. Die Weizen-Kassamärkte in der EU zeigen sich nach wie vor stark.

Die Maismärkte in Chicago und Paris zeigten trotz Ernteverzögerungen in den USA - hier waren zu Wochenbeginn erst 89% gedroschen - und in Frankreich ebenfalls tendenziell Schwäche. Massive Ausfuhren aus Südamerika drücken. Der Sojakomplex wurde von US-Präsident Donald Trump und dem Handelskonflikt mit China wiederum auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. Zu Wochenbeginn beschleunigte ein Trump-Tweet, ein Abkommen mit China vielleicht erst nach der Präsidentenwahl in den USA abzuschließen, für eine Beschleunigung der schon wochenlangen Talfahrt, dann leiteten Signale der Entspannung auf beiden Seiten und eine Ankündigung Chinas, Zölle auf bestimmte, nicht näher genannte Lieferungen von Soja und Fleisch aus den Vereinigten Staaten zu senken, die Kurse in der zweiten Wochenhälfte auf Bergaufkurs um.

Unverändert zu den vorigen Wochen geht es am österreichischen Kassamarkt mit überschaubaren Neuumsätzen ruhig zu. Niemand habe es eilig, so Händler, da sich auch an der Pariser Terminbörse Euronext für spätere Liefertermine kaum höhere Preise als für den Frontmonat abzeichnen. Die heimischen Kassamarktpreise befestigten sich die zweite Woche in Folge von unten her, wobei dies seinen Ausgang vom Futtergetreide nehme. Am Mittwoch dieser Woche notierte die Wiener Produktenbörse Premium- und Qualitätsweizen jeweils um 1 Euro/t höher, Mahlweizen blieb zur Letztnotierung am 20. November unverändert.

Beim Futtergetreide legte die Gerste nach dem von Marktteilnehmern als unverständlich interpretierten Einknicken in der Vorwoche wieder um 3 Euro/t zu und hält eine Oberkante von 140 Euro/t. Ebenso konnte auch Mahlroggen mit 160 Euro/t am oberen Rand der Notierung eine psychologisch wichtige Marke zurückerobern. Am Maismarkt hielt sich Futterware unverändert. Ein relativ geringer Abstand von 5 Euro/t zu CPT Niederösterreich notierten Futtermaiseinfuhren aus dem EU-Raum lasse auf eine gewisse Stabilisierung der Preise für inländische Ware und einen Bonus gegenüber ausländischen Herkünften erkennen, heißt es.

Den Rapsmarkt - sowohl national als auch von den Terminmärkten her - sehen Händler als anhaltend stabil bis steigend an.

Die Wintersaaten, deren Gros vor dem ausgiebigen Regen in den Boden gekommen ist, entwickelten sich sehr zufriedenstellend, berichten Pflanzenbauer.

Australien: Nun auch offizielle Ernteschätzung unter 16 Mio. t Weizen

Dürre und Hitze in Australien machen nicht nur mit den ausgedehnten Buschfeuern Schlagzeilen. Nun schätzt auch die Agrarbehörde Abares in ihrem Vierteljahresbericht die Weizenernte auf 15,9 Mio. t nach 17,3 Mio. t im ohnehin schon schwachen Vorjahr. 2017/18 fuhr Down Under noch 20,9 Mio. t Weizen ein. Damit fällt Australien nicht nur aus den Top Ten der Weizenproduzenten auf der Welt, sondern fällt auch im Ranking der großen Exporteure zurück. Führte 2016/17 das Land noch 22,6 Mio. t Weizen auf den Weltmarkt aus, waren es 2017/18 nur noch 13,8 Mio. t und 2018/19 gar nur 8,9 Mio. t. Ähnlich rückläufig sind auch die Ausfuhren von Canola-Raps, die unter anderem auch für die EU zur Deckung ihres Defizits interessant sind. Von 3,5 Mio. t in 2016/17 ging der Rapsexport 2017/18 auf 2,5 Mio. t zurück und sollte es 2018/19 nur noch auf 1,5 Mio. t bringen.

Harter Wettbewerb um Weizenexportmärkte

Wie der harte Wettbewerb um die Weizenexportmärkte die Stimmung an den Börsen prägt, zeigten diese Woche Ausschreibungen Ägyptens und Algeriens. Russland konnte am Dienstag einen Tender der staatlichen ägyptischen GASC mit 259.000 t Weizen befüllen. Das billigste russische Angebot für eine Tranche von 55.000 t lag auf Basis fob bei 221,49 USD/t (220,06 Euro). Nach den zuvorgegangenen Erfolgen in Ägypten kam diesmal Weizen aus Frankreich gar nicht zum Zug, obwohl der niedrigste fob-Preis der französischen Offerte mit 221,86 USD/t (200,40 Euro) nicht viel darüber gelegen war. Jedoch machen die Transportkosten von Rouen ins östliche Mittelmeer gewöhnlich einige Euro pro Tonne mehr aus als die vom Schwarzen Meer, sodass die Franzosen auf Basis cost and freight (c&f) zu teuer wurden. Händler kommentierten es als überraschend, dass russischer Weizen trotz seiner jüngsten Preissteigerungen so kompetitiv war, und die Euronext wertete den Ausgang der Ausschreibung als Signal für sinkende Notierungen. Dem EU-Export wehte auch der Wind eines gegenüber dem Dollar zuletzt stärkeren Euros entgegen.

Für Hoffnung an der Pariser Börse sorgte dementgegen am Donnerstag ein Zuschlag Algeriens über die Lieferung von rund 500.000 t Weizen, von denen ein guter Teil aus Frankreich kommen solle. Hier stand man im Wettbewerb mit Argentinien. Als c&f-Preis wurden zwischen 227 und 228,50 USD/t (204,62 bis 205,97 Euro) kolportiert. Lieferungen aus Frankreich waren in dem Tender für Februar kommenden Jahres ausbedungen.

Nach wie vor nicht wettbewerbsfähig ist Weizen aus den USA am Weltmarkt. Die jüngsten vom US-Agrarressort USDA veröffentlichten wöchentlichen Exportzahlen fielen mit 228.100 t dementsprechend enttäuschend aus. Der auf Basis US-Dollar und free on board (fob) berechnete Exportpreisvergleich der EU-Kommission mit Stand 4. Dezember (Kurse: 1 Euro = 1,1301 USD) zeigt demnach: Soft Red Winter fob Golf kostete 24 USD/t (+2 USD zur Vorwoche), Weizen aus der EU fob Rouen 209 USD/t (+4 USD zur Vorwoche) und Weizen fob Schwarzes Meer 210 USD/t (+1 USD zur Vorwoche).

Die Weichweizenausfuhren aus der EU in Drittländer steigerten sich in der 22. Woche (Stichtag: 1. Dezember) des Wirtschaftsjahres 2019/20 um 366.771 t auf 11,140 Mio. t. Damit liegt der Weizenexport diese Saison um 58% über dem des Vorjahreszeitraumes. (Schluss) pos

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